FB 24.03.2020 – der fünfte Patient

Für ALLE, die noch immer nicht kapiert haben, dass Covid-19 eben KEINE normale Grippe ist mal Klartext:

Es ist richtig, dass auch bei der normalen saisonalen Influenza die Lungenentzündung als bisweilen tödliche Komplikation auftritt. Allerdings wesentlich seltener. Ansonsten wäre das Gesundheitssystem in Italien nicht dermaßen durch die Decke geknallt.

Es ist richtig, dass im Prinzip die Schutzmaßnahmen, die man auch gegen die Grippe anwendet, ausreichend sind, Allerdings ist die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung gut doppelt so lang und man kann schon ein bis zwei Tage vor den ersten Krankheitszeichen andere anstecken. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, mehrere bis viele andere anzustecken.

Auch ist es richtig, dass die Erkrankung bei etwa 4 von 5 Infizierten ohne ernsthafte Symptome verläuft, man nicht speziell behandelt werden muss und auch nicht stationär aufgenommen wird. Manche merken gar nicht, dass sie überhaupt erkrankt sind. Ansteckend sind die aber trotzdem.

Das Problem ist der Fünfte von den 5 Infizierten. Der muss ins Krankenhaus, jeder etwa zwanzigste muss auf der Intensivstation behandelt werden, weil die Lungenentzündung die Lunge soweit schwächt, dass er beatmet werden muss. Und von denen stirbt dann jeder zweite bis dritte. Meist ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Das kann auch deine Mutter, dein Opa sein.

Wenn jetzt fast alle (die Wissenschaftler schätzen zwei Drittel der Bevölkerung) innerhalb kurzer Zeit infiziert werden (ohne Eindämmungsmaßnahmen), dann sind das rund 55 Millionen Menschen. Bleiben wir bei obigen Zahlen. Dann sind das elf Millionen Kranke, die ins Krankenhaus müssten – und 2,75 Millionen Menschen wären intensivpflichtig. Es sollte klar sein, dass kein Gesundheitssystem der Welt das leisten kann.

Es käme also zur Katastrophenmedizin, zur Triage. Beatmung oder auch nur das Bett an sich bekommen nur noch die, die eine wirklich gute Prognose haben. Der Rest wird als „hoffnungslos“ abgeschrieben.

Es muss also etwas getan werden. Ausgehend von den obigen Zahlen umgekehrt gerechnet – in Deutschland stehen derzeit 28.000 Beatmungsbetten zur Verfügung, davon sind aber 75 % bereits mit schwerkranken Patienten mit anderen Krankheiten belegt. Gehen wir mal großzügig und mit kurzfristiger Aufstockung dennoch von 25.000 Beatmungsplätzen aus. Wenn 5 % = 25.000 dann sind 100 % = 500.000 gleichzeitig Infizierte maximal, die das Gesundheitssystem verkraftet. Das ist etwas weniger als 1 % der insgesamt irgendwann erkrankenden Bevölkerung (wenn es nicht vorher einen Impfstoff gibt).

Um diese Reduzierung der gleichzeitig Infizierten zu erreichen muss auf allen irgend denkbaren Wegen verhindert werden, dass ein Infizierter unwissentlich andere Menschen ansteckt.

Wenn alle Menschen vernünftig wären, konsequent Hände waschen, Abstand halten, Husten- und Niesetikette einhalten und vor allem unnötige Treffen und Kontakte vermeiden, dann kann das gelingen.

ABER einige wenige können diesen Erfolg zunichte machen!

Und es muss uns klar seiin, wenn wir das Virus jetzt zurückdrängen, dann ist es davon nicht weg. Sobald wir die Maßnahmen lockern kommt es wieder – solange, bis eben der größte Teil der Bevölkerung es hatte oder geimpft ist und der Infizierte nicht mehr genügend Menschen trifft, die er noch anstecken könnte. Es wird also nach den initialen 2-6 Wochen starker Einschränkungen abwechselnd Phasen geben, in denen einige Maßnahmen gelockert werden und Phasen in denen wieder strenger reglementiert wird.

Das trifft die Wirtschaft hart, das trifft die Bildung und das trifft das kulturelle Leben. Und in anderen Ländern wird das Ganze noch für viel mehr Elend sorgen. In Afrika würde selbst eine normale Grippe für Millionen Tote sorgen können. Der Grundfaktor bleibt gleich, die Basisreproduktionsrate liegt bei etwa 3, d.h. 2 von 3 Menschen müssen immun sein (durch Impfung oder überstandene Krankheit), damit sich die Pandemie langsam totläuft.

Wir haben noch einen langen Weg vor uns – und je mehr und besser jetzt am Anfang die Eindämmung gelingt, desto leichter wird dieser Weg.

P.S. Es werden ja alle möglichen Verschwörungstheorien verbreitet, Textfragmente aus dem Zusammenhang gerissen, wie immer wenn die Leute zu viel Zeit am Rechner haben.

Tut mir einen Gefallen, verschont mich damit. Ich zähle zu den fachinformierten Menschen, die sich aus den nackten Daten ein Bild machen können. Da brauche ich keine kruden Thesen von der Neuen Weltordnung, keine feindliche Invasion und keinen Virus aus dem Biolabor. Ach ja, auch keine ausländerfeindliche Hetze aus dem braunen Sumpf.

Was ich brauche, was wir alle brauchen, das ist eine weitgehend funktionierende Infrastruktur inklusive Versorgung, Kommunikation und Gesundheitssystem. DAS sollten wir unterstützen – einfach um zu leben und nicht nur vielleicht zu überleben.

– Das BBK hat seit Jahren Empfehlungen zur Vorratshaltung für Krisenfälle veröffentlicht. Es ist aber keine Idee, diese jahrelang unbeachteten Tips schlagartig alle umsetzen zu wollen. Hamsterkäufe sorgen dafür, dass für diejenigen, die unsere Welt am Laufen halten nach Dienstende nichts mehr da ist. Und für die, die sich keine große Vorratshaltung leisten können auch nicht.

– Politik und Exekutive (hier v.a. Zoll und Bundespolizei) sind aufgefordert, die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes umzusetzen. Jeder, der jetzt noch nach Deutschland einreist sollte den Infoflyer des RKI am Flughafen in die Hand bekommen, bei Ankünften aus Risikogebieten verbunden mit der Anordnung der Selbstisolierung für 14 Tage durch ein entsprechendes Schreiben des zuständigen Gesundheitsamtes. Aus den diversen Gruppen sehe ich, dass die entsprechende Allgemeinverfügung noch relativ unbekannt ist. Da kann nachgearbeitet werden.

– Für Personengruppen, die aus Sammelunterkünften/ Lagern/… einreisen sollte die 14-tägige Quarantäne ebenfalls obligatorisch sein. In überschaubaren Gruppen.

– Das Instrument der Ausgangssperre/Kontaktsperre sollte in Hotspots noch konsequenter umgesetzt werden – wo nötig mit logistischer Unterstützung (Versorgung) der Bundeswehr.

– Diejenigen, die das System am Laufen halten, sollten dabei soweit irgend möglich unterstützt werden. Ob schnelle Abfertigung im Güterverkehr, Verpflegungs- und Duschgelegenheiten & WCs für Fernfahrer, ob Aufrechterhaltung Kinderbetreuung für Funktionspersonal, Schutzausrüstung, vielleicht einfach auch mal ein nettes „Danke“. Das betrifft auch Ausnahmen von Einschränkungen für ehrenamtliche Helfer – nebst den notwendigen Schutzausrüstungen.

Deutschland ist wie kaum ein anderes Land aufgestellt, um diese Bedrohung wirksam zu bekämpfen – das funktioniert aber nur, wenn alle mitmachen.

Bleibt mit dem Hintern zu Hause, keine unnötigen Sozialkontakte, keine unnötigen Fahrten irgendwohin, Abstand wo immer möglich, ansonsten Schutzmaßnahmen oder bleiben lassen.

Habe fertig.

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