Warum mehr Mobilfunkmasten nicht automatisch auch mehr Strahlung bedeuten…

In letzter Zeit wird wieder vermehrt über die Gefahren von „nichtionisierenden Strahlen“, sprich Radiowellen diskutiert. Gegner des Mobilfunkausbaus behaupten, durch immer mehr Sendemasten würde die Strahlenbelastung der Bevölkerung steigen.

Ich behaupte, es kann sogar das Gegenteil der Fall sein – und belege dies mit physikalischen Fakten.

Um zwischen zwei Funkstellen (also beispielsweise Handy und Sendemast) eine zuverlässige Verbindung aufbauen und Daten übertragen zu können benötigt man eine bestimmte Sendeleistung, gemessen in Watt bzw. dezimalen Bruchteilen davon.

Neben der Frequenz hängt diese Leistung vor allem von der Entfernung zwischen Mast und Handy ab. Dabei gilt (genau wie im „normalen“ Strahlenschutz / radioaktive Strahlung) die Abstandsregel:

Um die doppelte Entfernung mit gleichem Pegel zu erreichen ist die vierfache Leistung nötig. Entfernt man sich von einer Strahlenquelle doppelt so weit wie vorher, dann erreicht einen nur noch ein Viertel der vorherigen Dosis.

Was bedeutet das nun für Radio und Mobilfunk?

Wenn beispielsweise ein Sender mit 8 Watt strahlt und ich bekomme gerade noch eine Verbindung aus 20 km Entfernung, dann bräuchte derselbe Sender nur 2 Watt für eine stabile Verbindung, wenn ich nur 10 km entfernt wäre – und 0,5 Watt bei nur noch 5 km Entfernung.

In den Anfangszeiten der Handys gab es tatsächlich Mobiltelefone, die mit 8 Watt Sendeleistung ausgestattet waren – bei den damals noch geringen Senderdichten war das auch nötig, ansonsten wären zu viele weiße Flecken geblieben zwischen den Masten…

Spätere Handys (und auch die aktuellen) haben nur noch max. 2 Watt Sendeleistung. Einfach weil es aufgrund der gestiegenen Senderdichte ausreicht und die Akkus ja auch viel länger halten. Im Gegensatz zum Radio muss das Handy ja dem Masten auch „antworten“ und da die Dämpfung der Funkverbindung in beide Richtungen etwa gleich ist müssen auch die Sendeleistungen etwa gleich sein, damit es funktioniert. In der Praxis ist der Mast etwas stärker als das Handy, um auch empfangsmäßig „blöd“ abgelegte Mobiltelefone noch zum Klingeln bringen zu können…

Immerhin regeln die Handys die Sendeleistung in Abhängigkeit der Entfernung herunter.

Und jetzt kommt der Clou: Halber Abstand zum Sendemast bedeutet immer noch ein Viertel der abgestrahlten Leistung für das gleiche Ergebnis. Baue ich also das Sendernetz dichter aus, dann sinkt dadurch die Leistung, die die Handys (nah am Körper) abstrahlen müssen! Und das ist die Leistung, die zählt. Was der Mast da in mehreren hundert Metern bis Kilometern macht, das beeinflusst weder mich, noch ein Feldstärkemeßgerät so wirklich. DAS macht nur die Strahlung, die in meinem unmittelbaren Umfeld entsteht.

Und die wird bei dichterem Sendernetz eben weniger anstatt mehr.

In relativer Nähe zum Mast regeln moderne Handys bis auf 0,05 Milliwatt herunter!
Die Störstrahlung einer digitalen Armbanduhr ist höher.

Zum Vergleich einige typische Sendeleistungen verschiedener Funkdienste:

Short Range Devices 433 MHz 10 mW(Fernbedienung, Funksteckdosen, Wetterstation,…)
WLAN 2,4 GHz 100 mW
Bluetooth 100 mW
LTE Handy 200 mW
UMTS TDD 125–250 mW
DECT („Schnurlose“) 250 mW
PMR446 0,5 W
freenet 1 W
WLAN 5 GHz 1 W
GSM 1800 Mobiltelefon 1 W
GSM 900 Mobiltelefon 2 W (früher bis 8 W)
CB-Funk in Deutschland 4 und 12 W (SSB)
Betriebsfunk 6 / 12 W
GSM 1800 Basisstation 10–20 W (E-Netz)
GSM 900 Basisstation 20–50 W (D-Netz)
Amateurfunkdienst 750 W in Deutschland
UKW-, VHF und UHF-Rundfunksender bis zu 100 kW
Langwellensender 1 MW = 106 W
Impulsradar 100 MW
EMP-WaffenTW = 1012 W

Vor einer Radaranlage oder einem Langwellensender würde ich mit ernsthaften Problemen rechnen – der Gesetzgeber fordert einen einen wirksamen Schutz ab einer EIRP (effective isotropic radiated power) von 10 Watt. So müssen beispielsweise wir Amateurfunker eine Erklärung über die verwendeten Antennen, Sendeleistungen, Masthöhen usw. abgeben, wenn wir mit mehr als 10 Watt senden möchten und dann müssen wir auch Mindestabstände zu öffentlichen bzw. von Menschen genutzten Wegen und Räumen nachweisen. Wie gesagt, ab 10 Watt EIRP. Wobei unsere Antennen meist oben auf dem Dach sind und du ihnen während dem Betrieb nie zu nahe kommen wirst.
(ohne mich dabei klettert keiner auf meinem Dach rum…)

Handys liegen im ungünstigsten Fall um den Faktor 5 darunter – dafür aber je nach Nutzungsverhalten auch nachts direkt neben dem Nutzer oder sie werden in der Brusttasche oder Hosentasche herumgetragen. Und da macht es mehr als nur Sinn, wenn der nächste Mast „deines“ Providers möglichst in deiner Nähe ist – desto geringer ist die Leistung, die dein Handy nutzen muss.

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